Museum Lipikum

Lipizzanermuseum Lipikum wird das neue Zentrum des Kultur- und Tourismusangebotes des Gestüts Lipica. Es ist nach modernen museologischen Prinzipien angefertigt und wird mit verschiedenen Interaktionen den Besuchern selbst ermöglichen gewünschte Informationen zu erhalten. In Museum können die Besucher Inhalte zu der Geschichte des Gestüts, sowie zu den Lipizzanern finden:

  • die Geschichte der Pferde
  • Körperbau des Pferdes
  • Verhalten und Leben des Pferdes
  • Entwicklung und Wachstum des Gestüts
  • Entstehen und Entwicklung der Lipizzanerrasse
  • Koexistenz des Menschen und des Pferdes
  • Lipizzaner in der Welt
  • vergangene Ereignise, bei welchen das Pferd eine wichtige Rolle spielte.

Die Besichtigung vom Museum Lipikum ist im Preis der Eintrittskarte inbegriffen.

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»Beim Gestalten einer Ausstellung wird die Geschichte im Raum erzählt«
Sanja Jurca Avci

Das Lipikum Museum ist als ein Museum der Erlebnisse gedacht. Die Geschichte des Gestüts Lipica und der Lipizzaner Pferde wird so nicht nur von Ausstellungsobjekten erzählt, sondern auch von Farben, Projektionen, Geräuschen, interaktiven Materialien und sogar architektonischen Elementen. Der Besucher entdeckt die Geschichte von Lipica Schicht nach Schicht und wird so auch selbst Teil der Geschichte. Als solches stellt das Lipikum Museum in Slowenien eine neue Museumsart dar, da die Ausstellungsgeschichte die Besucher nicht nur von außen gucken lässt, sondern sie mit einbezieht, sodass sie sie selbst erleben.

Eintrittsraum

Der kleine Eintrittsraum überrascht uns mit seinen dunklen Wänden. Schon die Farbe der Wände erzählt die Geschichte der Lipizzaner - sie werden fast schwarz geboren, dann werden sie bis zum siebten Lebensjahr langsam immer grauer, bis sie fast weiß sind. Deshalb fängt auch der Museumsbesuch in einem dunklen Raum an, der fast schwarz ist, und endet in einem hellen, fast weißen Raum. Beim Eintritt hört man das Stampfen von Pferdehufen und bemerkt auf den Wänden drehende Holzwalzen, wie man sie im Gestüt Lipica in Plätzen, wo viele Pferde durch einen engen Raum gehen müssen, benutzt, damit sie sich nicht verletzen. Die Besucher werden durch einen engen Gang geführt und setzen damit die ersten Schritte auf den Weg des Pferdes. Vor ihnen steht das Logo des Lipikum Museums und richtet sie in die Richtung, aus der das Pferdestampfen kommt.

Lipizzaner beim Rennen

Hinter der Wand sehen die Besucher eine Herde von Lipizzanern, die zu ihnen rennt. Im Museum erleben wir, was wir im wahren Leben nicht könnten. Wir fühlen ihre Kraft, die Verbundenheit der Herde, ihre Verbindung zur Natur, ihre Schönheit. Die Hintergrundgeräusche vervollständigen die Erfahrung - ohrenbetäubendes Stampfen begleitet die schnellen Schritte dieser wunderschönen Tiere. Hier erfassen wir schnell die Hauptmitteilung der Ausstellung: »Die Lipizzaner wurden hier, im Gestüt Lipica, über Jahrhunderte mit geplanten Kreuzungen der autochthonen Karstrassen mit anderen Pferderassen gezüchtet«. Danach öffnet sich der Raum zum Teil der Ausstellung, welcher über das Pferd als Tierart erzählt.

LIPIZZANER – dieses prachtvolle Pferd

Der Raum wird von drei Skeletten dominiert und damit wird der Besucher in den wissenschaftlichen Teil der Ausstellung eingeweiht - als Biologe widmet er sich den Lipizzanern und damit den Pferden allgemein.

In der kleinsten Vitrine des Museums sind Zähne von Vorfahren der Lipizzaner zur Schau gestellt.Die fossilisierten Zähne wurden in der Nähe von Lipica gefunden – in Črni Kal, was bezeugt, dass schon seit der Urzeit in dieser Umgebung Vorfahren des schweren Karstpferdes gelebt haben.

Wer sind die Vorfahren des heutigen Pferdes? Zwei von den Vorfahren des Pferdes oder besser gesagt zwei Rekonstruktionen ihrer Skelette kann man sich näher ansehen. Überraschend ist vor allem das ältere, kleinere Skelett, da es ungefähr so groß wie ein mittelgroßer Hund ist und wenn man es so sieht, wie es auf ein (imaginäres) Gebüsch klettert, glaubt man kaum es kann der Vorfahr des heutigen großen, stolzen Pferdes sein. Wir können die zwei Skelette der Vorfahren mit dem echten Skelett des Lipizzaners vergleichen und lernen so über den Körper des Pferdes und über einige seiner Besonderheiten.

Auf der nächsten Wand sehen wir Illustrationen und Fotos über die Stimmungen und Sinnesorgane des Pferdes. Der Besucher bekommt Pferdeohren aufgesteckt und versucht sich vor dem Spiegel in Nachahmung der Stimmungen des Pferdes. Auf Knopfdruck hört er das Wiehern eines wütenden und eines glücklichen Pferdes.

Auf einem Ausstellungsstand lernen wir, ob Lipizzaner wirklich weiß sind und wieso dem so ist. Der Besucher erfährt, wie man andere weiße Pferde nennt, und kann auf einer Schautafel ihr Fell streicheln.

Zu welcher Familie gehören Pferde eigentlich? Pferde gehören zur Familie der Huftiere, in der sich sowohl Unpaarhufer wie Pferde wie auch Paarhufer befinden. Die jüngeren Besucher lernen darüber in Form eines Puzzles. Auf dem nächsten Ausstellungsexponat sieht man wilde Pferde, denn obwohl Pferde heute domestiziert sind, war das nicht immer so.

Im höheren Niveau des Museumsraums, wo die Ausstellung uns weiterführt, kündigt sich ein neues Kapitel der Ausstellungsgeschichte an – das Zusammensein zwischen Mensch und Pferd. Die Galeriewand, die den Raum trennt, ist in einer kontrastreichen starken Farbegestrichen, die als Hintergrund für eine reiche Ausstellung von Gemälden dient, auf denen der Maler Johann Georg de Hamilton einst Lipica und ihre Lipizzaner abbildete.

In guten wie in schlechten Zeiten

Die Wand mit Pferdegemälden ist absichtlich fast zu voll. Die Bilder von Lipizzanern bei der Ausführung von Kapriolen und anderen Dressurelementen sowie das große Gemälde vom historischen Lipica im Mittelpunkt der Galeriewand werden von anderen Gemälden berühmter Maler vervollständigt; so öffnet sich das Kapitel über die Rolle der Pferde in der Kunst durch die Jahrhunderte. Die jüngeren Besucher werden eingeladen, selbst kreativ zu sein und auf der Zeichenfläche selbst für ein paar Minuten große Künstler zu werden.

Pferde erregten die Fantasie des Menschen schon seit je her. In der Antike wurden Pferde oft in verschiedenen und meist überraschenden Geschichten der Mythologie dargestellt. Damit will auch die große Wandmalerei, auf der märchenhafte und halbgöttliche Lebewesen dargestellt sind mit dem Einhorn auf der Leitposition, die Besucher überraschen. In der Mitte können sich Kinder in einem Spiegel selbst als Kentauren sehen – von der Weste auf sehen sie sich selbst, aber darunter sind die Beine eines märchenhaften Pferdes. Im Augenwinkel sehen wir, dass sich unter der Decke etwas bewegt, dann aber gleich wieder verschwindet: natürlich, es ist Pegasos, das geflügelte Pferd, das über den Raum fliegt! Dazu spielt im Hintergrund eine Ambientmusik, passend zum Thema.

Die Verbindung zwischen Pferd und Mensch ist aber nicht nur ätherisch, sondern spiegelt sich im Alltag wieder - es ist eine vollblütige Arbeitsverbindung. Vieles kann sich der Mensch ohne die Hilfe von Pferden gar nicht vorstellen (oder konnte sich nicht in der Vergangenheit)! Landwirtschaft, Reisen, Kriegführung, Jagd, Sport ... Da die Menschen schon immer eine starke Verbindung zum Pferd hatten, entwickelten sich dadurch mit der Zeit auch viele Berufe. Einige von ihnen gelangen in der modernen Zeit schon in Vergessenheit. Traditionelle Berufe, die im Gestüt Lipica immer noch gebraucht und erhalten werden, können sich die Besucher in kurzen Filmen auf einem Tastbildschirm ansehen. In der Vitrine steht ein seltenes Ausstellungsstück,ein Tierarztkoffer mit interessantem Zubehör, der die Lipizzaner in der Vergangenheit ins Exil begleitete.

Und die Kinder? Sie können ein Stoffpferd so kämmen, wie sie es auf dem Film gesehen haben.

Der bunte Raum mit vielen Malereien endet auf einer Seite mit einer interessanten Glaswand mit leuchtenden Buchstaben. Sie stellt der Eintritt in einen neuen Raum dar, der die Geschichte des Gestüts Lipica erzählt.

Lipica – die Wiege der Lipizzaner

Dieser Raum ist von beiden Seiten mit Glasabsperrungen begrenzt und die Decke über ihm ist abgesenkt. Das symbolisiert die »Institution« des Gestüt LipicaIns Auge fallen sofort die horizontalen Bänder mit dem Ausstellungstext und dem Bildmaterial, die wir schon aus vorherigen Räumen kennen, aber besonders anziehend wirken die leuchtende Buchstabenwand und die Ausstellungselemente, die im Kreis stehen.

Die Buchstaben auf der Leuchtwand stellen die Namen der sechs Hauptlinien von Lipizzanern dar. Die schön-klingenden Namen sind aufmerksam in ein attraktives Raumelement verbunden, das interessante Teilblicke von beiden Seiten der Wand ermöglicht. Vor der Wand steht einTastbildschirm, der alle Besucher einlädt, sich in der schweren Aufgabe zu versuchen nach strickten Regeln einen Nachkommen von zwei Lipizzanern zu benennen. An einem asketisch geformten Tischelement versteckt sich eine wahre Multimediaattraktion – der interaktive Tisch, bei dem viele Besucher zugleich eine Einsicht in die reiche Geschichte des Gestüts Lipica bekommen und die Geschichte von Slowenien und Europa besser verstehen.

Im Raum danach sehen die Besucher wie, wann und wieso das Gestüt Lipica gegründet wurde. Ein kurzer Zeichentrickfilm erklärt die historischen Ereignisse der Kriegswirren, wegen deren die Pferde so oft in verschiedene Orte ziehen mussten. Das Thema wird durch eine Vitrine mit Gegenständen der Pferdeausrüstung ergänzt, die auf dem Gebiet von Lipica gefunden worden sind, und zum Vergleich Gegenständen, die anderswo in Slowenien gefunden wurden.

Wir lernen, wie die Pferde in Lipica und anderswo markiert werden. Erwachsene wie auch Kinder können sich darin versuchen und extra für Kinder stehen Stempel mit verschiedenen Markierungen zur Verfügung, damit sie sie ausprobieren können. Eine Kopie des Zuchtbuchesin der Vitrine kündigt das Thema der Hauptaktivität im Gestüt Lipica an – die Pferdezucht. Auf einem beleuchteten Hintergrund können die Besucher das Genom des Menschen und das des Pferdes vergleichen.

Der Ausstellungsstand in der Raummitte spricht uns mit dem bekannten Spruch an, dass man das Alter des Pferdes über seine Zähne erkennen kann. Erwachsene wie auch Kinder können sich so ein Exemplar von Pferdezähnen ansehen und sie auch anfassen, was für die Kinder besonders spannend ist, wenn sie durch einen Stoff die Zähne abtasten.

Der Kreis in der Mitte des Ausstellungsraumes setzt sich aus sechs großen eingespannten und drehbaren Ausstellungstafeln aus, die den Lebenskreis der Pferde im Gestüt Lipica darstellen. Die Lebensphasen werden mit großen Kunstfotos vorgestellt und näher erklärt mit Word und Bild. Kinder haben Spaß beim Zusammensetzen von drei Wachsphasen der Pferde auf einem drehbaren Walzen.

Mehr Informationen über das Leben der Lipizzaner im Gestüt Lipica bieten den Besuchern Filme auf einem großen Bildschirm an der nächsten Wand.

Einen Schritt weiter, auf der nächsten Wand neben dem Kreis, stehen zwei große drehbare Ausstellungstafeln mit Fotos und Erklärungen, die über den Tagesablauf der Hengste, Stuten und Fohlen im Gestüt Lipica erzählen, die untereinander sehr verschieden sind. In der »24 Stunden« Darstellung wird uns klar, wie genau der Tag von Hengsten, Stuten und Fohlen im Gestüt Lipica bestimmt ist.

Besucher können sich auf das Model eines Pferdes in Naturgröße setzen und so die Erfahrung bekommen, wie es ist auf dem Rücken eines Lipizzaners zu sitzen. Damit die Reiterfahrung vollkommen ist, können sich Besucher auch eine Reitkappe aufsetzen und im Spiegel überprüfen, ob ihre Körperhaltung richtig ist. Für die Jüngsten gibt es hier das Spiel »Der Trainer und das Pferd«.

Lipizzaner nehmen natürlich auch bei Wettbewerben teil. Darauf macht uns die Vitrine mit einer Reiterpuppe in voller Uniform für Dressurreiten aufmerksam und die vielen Pokale, die Alojz Lah auf internationalen Wettbewerben gewonnen hat. Der informative Text erklärt die anspruchsvolle Arbeit der Reiter und die langjährige Schulung der Pferde, ohne die solche Erfolge nicht möglich wären. Das Training für Vorstellungen und Wettbewerbe wird näher vorgestellt mit einem Film auf dem Tastbildschirm. Alle Phasen des Trabs – einer besonderen Art des Pferdegangs – können sich die Besucher auf einem drehbaren Walzen ansehen, einem sogenanntenStroboskop

Allmählich wird der Besucher neugierig, was er in den letzten, hellsten Raum des Museums finden wird – durch die Glaswand können wir nämlich Eindrücke von etwas Interessantem mit verschiedenen Lichteffekten und interessanten Geräuschen erblicken.

Aus der Karstheimat in die weite Welt

Der Besucher tritt in einen weißen Raum mit einer Raumprojektion ein und wird ein Teil von ihr. Rundherum auf den Wänden und auf dem Boden wechseln sich die Jahreszeiten auf dem Karst aus, die Vögel singen, wir hören Donner, der Bora-Wind weht uns um die Ohren. Im Mittelpunkt der Wand sehen wir die Lipizzaner als Teil dieser Natur, wie sie in Ruhe weiden, Wasser trinken oder sich auf dem Grass walzen. Wir werden uns der Umgebung, in der die Lipizzaner leben, bewusst, wir verstehen das besondere Umfeld, wegen dem Lipizzaner genau so geworden sind, wie sie sind.

Die Bedeutung des Anwesens vom Gestüt Lipica ist jedoch größer als nur die natürlichen Gegebenheiten, auch sein Kulturerbe macht es zu einer besonderen Sehenswürdigkeit. Manchearchitektonischen und landschaftlichen Besonderheiten (z. B. die Alleen) und vor allem die Tatsache, dass das Anwesen genauso erhalten ist, wie es vor Jahrhunderten war, bezeugen den wahren Kulturwert von Lipica nicht nur für Slowenien, sondern auch weltweit. Von uns hängt es ab, wie wir dieses Erbe erhalten und entwickeln. Eine Reliefdarstellung der Welt zeigt, wo sich heute Gestüte befinden, in denen Lipizzaner gezüchtet werden. Die Absichten, mit denen diese Gestüte gegründet wurden, sind verschieden, aber immer interessant. Die meisten befinden sich in Europa, sogar in relativer Nähe von Lipica, aber man findet sie auch im fernen Australien und sogar in Süd-Afrika. Lipica ist wohl die Wiege der Lipizzaner, aber sie ist bei Weitem nicht das einzige Gestüt, wo heute diese prachtvollen Pferde gezüchtet werden.

Bevor wir das Museum verlassen, setzen wir uns für einen Moment auf die Bank in der Raummitte und genießen die Ruhe. Kinder können sich inzwischen mit einem Spiel, das in der Bank versteckt ist, beschäftigen und den Lipizzanern helfen, um die Welt zu reisen.

Wenn die Besucher über eine der Themen mehr wissen wollen, können sie auf demTastbildschirm alles selbst nachlesen und erfahren. Hier wartet auch die Gelegenheit für die weitere Entwicklung des Museums, da die Besucher gebeten werden, ihre Eindrücke über den Museumsbesuch zu schildern und ein Foto aus ihrem Besuch im Gestüt Lipica machen können.

Der Museumsbesuch endet mit einem Zitat des slowenischen Dichters Edvard Kocbek, das uns noch einmal daran erinnert, wie wichtig für uns Menschen Pferde eigentlich sind.

Interpretation des Inhalts und Gestaltung der Ausstellung: Sanja Jurca Avci

»Lipica erleben« / Quelle: Zeitchrift Kras, Juni 2011, Ausgabe 110-111

Ausstellungskustoden und Textautoren: Taja Vovk van Gaal; Davor Kernel, Museum Kromberk, Nova gorica; Nataša Kolenc, Gestüt Lipica; Irena Marušič, Technisches Museum Slowenien und Staša Tome, Naturwissenschaftliches Museum Slowenien
Fachprojektleiterinnen: Taja Vovk van Gaal, Nataša Kolenc
Grafische Gestaltung: Dolores Gerbec